Natürliches Lachen in der Portraitfotografie

Hier stehen wir vor einer Aufgabe, an der viele Fotografen anfangs scheitern. Ein wirklich authentisches Lachen vor die Linse zu bekommen ist auch nicht ganz einfach. Ich habe mich nun bei zahlreichen Shootings an verschiedenen Methoden versucht und möchte dir hier meine Tipps dazu geben. Schließlich sollst du nicht nur schöne, fröhliche Fotos erstellen sondern auch mit dem Kunden oder Model gemeinsam Spaß und Freude daran haben. 

Wie schaffe ich es, dass sich mein Model wohl fühlt?

Als Fotograf immer locker bleiben

Das wichtigste, wenn du fröhliche und echte Fotos haben möchtest, ist, dass du selber locker bleibst. Wenn du dich verkrampfst, wird das dein Model spiegeln sofern er oder sie nicht viel Erfahrung vor der Kamera hat. Übe zuerst mit Freunden, wenn du unsicher bist. Sobald du Kunden fotografierst, musst du unbedingt so weit sein, dass du selbstsicher auftreten kannst. Wenn du selbst Spaß hast und voll bei der Sache bist, wird sich das auch auf dein Gegenüber übertragen. 

Stell dich ruhig mal ein bisschen blöd an, wenn nicht gerade höchste Professionalität von dir verlangt wird. Nimm dich nicht zu ernst, wenn dir ein Fehler passiert und du zum Beispiel den Objektivdeckel noch oben hast und schon fotografieren willst. Sowas passiert jedem mal und ist menschlich. Wenn du dann nicht verkrampfst, macht dich das meist sympathisch.
Also versuche selbst viel zu lachen. Achte auf die Stimmung - was ist gerade besonders lustig oder was wäre lustig, wenn irgendwas anders wäre? Du kannst auch von vergangenen Shootings erzählen, bei denen etwas witziges passiert ist. Vergiss nicht, dass Lachen ansteckend ist und versetz dich in die Situation deines Kunden. Was müsste passieren, damit du selbst lachst wenn du fotografiert wirst? Probier das einfach mal aus.

 

Authentische Fotos bekommst du in echten Momenten

Manchmal hast du die Möglichkeit, Menschen zu fotografieren, wenn sie nicht damit rechnen. Vielleicht ist dein Model abgelenkt. Dann können unter Umständen die schönsten Fotos entstehen.
Dieses Bild ist übrigens bei einem richtig lustigen Shooting entstanden, bei dem unsere Requisite ein Verband war. Das ist eigentlich nur ein Making-Of Foto von mir. Ich hatte keine Ahnung, dass ich fotografiert werde und deshalb war mein Lächeln ehrlich.
Eine große Hilfe in solchen Situationen kann oft ein Freund sein, den die Kundin mitgebracht hat. Wenn sie über etwas lacht, dass er gesagt hat, dann ist das dein Moment.

 


Wie komme ich zu einem natürlichen Lachen auf meinem Foto?

Eine große Hilfe sind hier Grimassen:

Du kannst entweder deine Models selbst Grimassen schneiden lassen oder selbst welche machen. Ich empfehle hier eher ersteres. Sag ihnen, sie sollen mal richtig blöd schauen. Und kurz darauf kommt von dir "Nicht ganz so blöd!". Darauf folgt fast immer ein Lachen! Du kannst ihnen die Fotos von den blöden Gesichtsausdrücken dann auch zeigen, um die allgemeine Stimmung noch mehr zu heben.
Auch hier ist eine Person, die hinter dir steht und das mit den Grimassen übernimmt, sehr von Vorteil. Übrigens könnt ihr euch dazu köstlich amüsante Szenen in meinem letzten Making-Of Video ansehen. Hier kommt ihr zu dem Blogpost.

 


Schöne Portraitfotos entstehen bei einer angenehmen Stimmung

Ob du dir nun Witze ausdenkst oder lieber Grimassen schneidest - es bringt dir nichts, wenn alle verkrampft sind. Die Leute müssen sich wohl fühlen: Vielleicht habt ihr die Möglichkeit, euch Musik anzuhören, die euch allen gefällt. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du mit deinen Kunden sprichst. Am besten ist es, wenn du selbst schon ein mal vor der Kamera warst und davon berichten kannst. Mach deinen Models klar, dass du weißt, wie das ist. Gehe verständnisvoll ein auf die Menschen und lege nicht den Fokus auf das, was ihnen an sich selbst nicht so gefällt. Ich habe schon alles gehört von "Ich mag meine Oberschenkel nicht" bis hin zu "Ich HASSE meine Ohren." Der Kunde soll sich wohl, verstanden und vor allem schön fühlen. Dann wird die Stimmung eine ganz andere sein als dann, wenn du jemanden zu etwas zwingst, das er nicht ist.

Fotografie ist dein Job, nicht der deiner Kunden

Nicht vergessen: Meist hat man kein professionelles Model vor der Kamera, sondern jemanden, der keine Erfahrungen damit hat. Deshalb ist es besonders wichtig, dass du immer Anweisungen gibst, aber es damit auch nicht übertreibst. Die Menschen wissen oft nicht, wohin sie schauen müssen, wie sie sich hinstellen sollen oder wohin mit den Händen. Sobald du da Unsicherheit merkst, gib eine klare Anweisung. Damit du dabei sicher bist, solltest du dich vorher unbedingt über das Thema Posing informieren.

Dazu kommt übrigens bald ein Video von mir, das ihr sowohl hier auf meinem Blog als auch auf meinem Youtube Kanal sehen werdet. Ich werde das Thema aus Sicht des Fotografen und aus der des Models behandeln. 


Man bricht ein Shooting nicht einfach ab

Ganz wichtig: Viele Menschen mögen ihr eigenes Lachen nicht. Egal, wie schön du deine Fotos findest, IHNEN muss es gefallen.
Also nimm nicht die Bilder, wo sie lachen, wenn sie die gar nicht mögen. Lass sie lieber dezent lächeln, sodass der Ausdruck für sie passt. Am Ende sollen beide Seiten glücklich sein und nicht nur du. Und der Kunde bewertet die Qualität eines Bildes oft einfach nur danach, ob er sich selbst darauf gefällt. 
Ich bin mir sicher, dass du es mit ein bisschen Übung jedes mal schaffen wirst, deinen Kunden zum Lachen zu bringen. Und wenn nicht, dann hat die Chemie einfach nicht gestimmt. Man kann nun mal nicht alles erzwingen. Wichtig ist dann nur, dass er oder sie zufrieden mit den Ergebnissen ist. Dass man ein Kundenshooting nicht abbricht, nur weil man das Gegenüber nicht sympathisch findet, muss ich dir wohl kaum erklären. Es kommt oft einfach nicht darauf an, wie jemand ist, sondern wie du darauf reagierst und damit umgehst. Also mach das beste aus jeder Situation.


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Kommentare: 1
  • #1

    Christian Zink (Montag, 06 Juni 2016 08:58)

    Toller Beitrag. Meine Sichtweise ist identisch. Danke dass Du es in Worte gefasst hast.