Wie funktioniert meine Spiegelreflexamera? Blende, Belichtungszeit, und ISO verstehen

Immer wieder höre ich, dass Fotografie Einsteiger eine Spiegelreflexkamera haben, aber nicht so recht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Es ist sehr schade, dass viele dann alles der Kamera überlassen und nur im Automatikmodus fotografieren. Wer das gerne ändern möchte, lernt hier die drei wichtigsten Einstellungen und Tipps für den manuellen Modus.

Blende

Die Blende bestimmt die Größe der Öffnung, durch die Licht in deine Kamera kommt. Mit ihr kannst du einstellen, wie hell oder dunkel du dein Bild haben möchtest.


Wenn du  einen dickeren Gartenschlauch hast, wird in der selben Zeit mehr Wasser in dein Becken fließen.

Belichtungszeit

Die Belichtungszeit ist die Zeit, in der die Kamera ihren Verschluss offen lässt und in der Licht auf den Sensor fällt. Je länger diese Zeit, desto mehr Licht fällt darauf - dein Bild wird heller.


Wenn du einen gleich dicken Schlauch hast und das Wasser länger fließen lasst, dann hast du mehr Wasser im Becken.

ISO

Die ISO bestimmt die Lichtempfindlichkeit der Kamera.

Je höher die ISO Zahl, desto lichtempfindlicher der Sensor. Das Bild wird hier künstlich heller gemacht.


Dein Schlauch bleibt gleich dick, die Zeit gleich lang, aber du hast mehr Wasser. Dieses mal wurde das Wasser nachher auf magische Weise verdoppelt.


Blende

Die Blende regelt, wie weit das Objektiv geöffnet wird. Je weiter das Objektiv geöffnet ist, umso mehr Licht wird auf den Sensor der Kamera fallen.

 

Aber was bedeuten die komischen Nummern da?

Jetzt wird es ein bisschen kompliziert. Man beschreibt die Blende zum Beispiel mit f/1,4. Das ist eine sehr weit offene Blende (das Bild wird sehr hell, wenn sie offen ist). f/22 dagegen ist eine sehr weit geschlossene Blende.  (Das Bild wird nicht so hell)

 

Je kleiner also die Zahl hinter dem f, desto offener ist die Blende!

 

Und wann bekomme ich jetzt diese Unschärfe im Hintergrund?

Mit der Blende kann man auch einstellen, wie groß der Bereich ist, der scharf gestellt wird. Je weiter deine Blende offen ist - also je kleiner die Zahl - desto kleiner ist der Bereich, der scharf gestellt wird.

Je weiter deine Blende geschlossen ist - also je größer die Zahl - desto größer ist der Bereich, der scharf gestellt wird.

Große Blendenöffnung (zum Beispiel f/1,4) = Unscharfer Hintergrund

Kleine Blendenöffnung (zum Beispiel f/22) = Scharfer Hintergrund

  

Fazit:
Fotografierst du also mit Blende f/1,4 , dann bekommst du ein helleres Bild, als bei f/22 und der Bereich, der scharf gestellt ist, ist sehr viel kleiner. - Du erhältst einen unscharfen Hintergrund und vielleicht auch Vordergrund und nur dazwischen ist es scharf.


Belichtungszeit

Die Belichtungszeit ist die Zeit, in der Licht auf den Sensor deiner Kamera fällt.
Doch die Zeit, in der du ohne ein Stativ ein unverwackeltes Bild bekommst, ist sehr kurz. Bei mir ist die Grenze da bei etwa 1/80 Sekunde schon erreicht. 

 

Und wie hängt das ganze jetzt mit der Blende zusammen?

 

Je offener die Blende, umso kürzer muss Licht hindurch.

Je geschlossener die Blende, umso länger muss Licht hindurch.
Wenn du einen dickeren Schlauch hast, dann dauert es weniger lang, bis dein Becken voll ist.
Wenn du aber einen dünneren Schlauch hast, dann dauert es länger, bis dein Becken voll ist.
Durch ein grosses Loch fällt in der selben Zeit mehr Licht als durch ein kleines. Das gilt auch andersherum – logisch.

Zum besseren Verständnis rate ich dir, jetzt deine Kamera in die Hand zu nehmen:
Stelle den manuellen Modus ein und suche dir ein Motiv. Dann fotografierst du das Motiv mit einer bestimmten Belichtungszeit. Und genau das selbe fotografierst du nochmal mit einer kürzeren Belichtungszeit. Das erste Bild wird heller sein als das zweite.


Dazu stellst du deine Blende ein, bis dein Bild richtig belichtet ist.
Als zweiten Schritt schließt du die Blende etwas mehr und erhöhst die Belichtungszeit bis das Licht wieder passt.
Genau so machen es Fotografen. Es ist als würde man an verschiedenen Lichtschaltern drehen. Drehst du das eine Licht ab, musst du das andere aufdrehen, damit der Raum hell bleibt.
Beobachte dabei auch den Schärfenbereich, dann siehst du, dass bei offener Blende ein kleinerer Bereich scharf ist. Manchmal merkt man das mehr, manchmal weniger. Bei dem Bild hier erkennst du es erst, wenn du genauer hinsiehst. Wenn du damit ein bisschen herum experimentiert hast, bin ich mir sicher, dass du es verstehst.


ISO

Die ISO beschreibt wie gesagt die Lichtempfindlichkeit deines Sensors. ISO selbst steht übrigens für “International Standard Organisation”.


Wenn du die ISO-Zahl von 100 auf 200 erhöhst, dann wird dein Bild auch doppelt so hell.

Das heißt zwischen jedem dieser ISO Werte verdoppelt sich die Lichtempfindlichkeit: 100, 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400.

Diese Erhöhung erfolgt über einen elektronischen Verstärker. Es fällt ja immer noch genauso viel Licht auf den Sensor, aber die Elektronik deiner Kamera verstärkt dieses dann. 

 

Eine höhere ISO-Zahl wirkt sich also in Bezug auf die Lichtmenge so ähnlich aus, wie eine längere Belichtungszeit. 

Bei den meisten Kameras ist die niedrigste ISO-Zahl 100 und die höchste 6400.
Weil das Bild aber nur in der Kamera verstärkt wird, hat die Sache aber natürlich einen Haken. Wenn die ISO zu hoch eingestellt ist, wirst du auf deinen Bildern schnell ein Bildrauschen feststellen. Das Bild hat nicht mehr so schöne Farben, wird verpixelt und hat eine Art Körnung wie beim Film.
Du solltest die ISO also immer so klein wie möglich halten - außer es geht einfach nicht anders. Im schlimmsten Fall kannst du dann noch versuchen, das Rauschen nachträglich in der Bearbeitung wieder zu entfernen.


Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen und einen kleinen Einblick darin geben, wie ein Fotograf arbeitet. Das waren die drei wichtigsten Einstellungen bei einer Spiegelreflexkamera, mit denen du das Licht auf den Bildern wesentlich beeinflussen kannst. Themen wie Brennweite oder Weißabgleich werden wir in Zukunft noch behandeln. - Schreib mir, ob du daran Interesse hättest!
Jedenfalls wünsche ich dir viel Erfolg und vor allem Spaß beim Ausprobieren. Du wirst deine Kamera viel schneller verstehen, als du denkst. Und bis dahin - lieber ein schlechtes Bild, als gar keines!


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Kommentare: 5
  • #1

    Annika (Samstag, 21 Mai 2016 21:35)

    also ich würde mich über mehr tutorials freuen - echt gut erklärt und ich glaub ich habs verstanden :)

  • #2

    Georg (Sonntag, 22 Mai 2016 13:03)

    Jetzt habe ich das auch verstanden - thx.

  • #3

    Engel elfe (Sonntag, 22 Mai 2016 20:55)

    herzlichen dank, das ist super erklärt

  • #4

    Kerstin (Montag, 23 Mai 2016 05:39)

    Bin aus sehr interessiert an mehr Infos, super beschrieben

  • #5

    Cedric (Donnerstag, 02 Juni 2016 07:07)

    Der Beitrag war echt gut verständlich. Ich glaub so ziemlich jeder wird auch weitere solcher Beiträge lesen ;D